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Was ist Kleinlitauen?
Kleinlitauen, Ende 18. Jh.
Kleinlitauen am Ende des 18. Jahrhunderts
Auf den alten Karten heißt das Territorium Kleinlitauens Klein Litau, Klein Litauen, Preussisch Litthauen, Little Lithuania, Lithuavie Prussiene, Litthauischer Creis, Lithvania, Litauen und anders.
    (Jeger E. Prussia - Karten, 1542-1810. Stuttgart-München, 1982)

       Kleinlitauen (oder Preußisch-Litauen), war ein Provinz im Ostpreußen und ursprünglich umfaßte die Kreise Memel (Klaipeda), Tilslit, Labiau, Ragnit, Insterburg und Gumbinnen. Die Bewohner dieser Landschaften waren seit alten Zeiten baltische Stämme (Litauer, Schalauer, Nadrauer und Kuren), aus denen sich im 15.-16. Jh. die litauische Volksgruppe der Kleinlitauer (Lietuvininkai) gebildet hat.
       Für die litauische Kulturgeschichte war dieses Gebiet sehr bedeutend. In Kleinlitauen erschien das erste gedruckte litauische Buch, der "Katechismus" (1547) von Martynas Mazvydas (latinisiert Mosvidius). Die Bibel wurde hier 1590 von Jonas Bretkunas (Bretke) ins Litauische übersetzt, und die erste Grammatik der litauischen Sprache wurde von Daniel Klein im Jahre 1653 verfasst. Im 18. Jahrhundert wurde hier ein breites Spektrum litauischer kultureller Aktivitäten unterstützt, wurden religiöse Bücher, Grammatiken und Wörterbücher herausgegeben, die Volkskunst erforscht usw. Im 1765 wurde hier das erste klassische Werk der litauischen schöngeistigen Literatur geschrieben, das Poem "Die Jahreszeiten" von Kristijonas Donelaitis (latinisiert Christian Donalitius).
       Nach der großen Pest 1709-1711 begann die deutsche Besiedlung Kleinlitauens. Bis zur Kolonisation bildeten die Kleinlitauer in ihrem Kerngebiet etwa 90% der Bevölkerung. In die Gebiete der Litauer zogen 1710-1736 etwa 23.000 Übersiedler, meist deutsche Bauern. Die Rechte der Litauer wurden ständig verengt, ihre Kultur wurde aus dem öffentlichen Leben verdrängt. 1873 war die litauische Sprache in den Schulen verboten. Die Germanisierungspolitik hatte ihr Ziel erreicht: 1736 waren 80% der Bewohner in den Gebieten Memel (Klaipeda), Tilsit, Ragnit, Insterburg und Labiau Litauer, 1837 - 33% und 1900 - 20%.
       Am 30. November 1918 erklärte der Preußisch-litauischer Volksrat mit der mit der Tilsiter Akte, dass der Anschluss Kleinlitauens an Litauen gefordert wird. Mit dem Friedensvertrag von Versailles wurde jedoch nur der nördliche Teil, nämlich das Memelgebiet, von Deutschland abgetrennt. Der größte Teil Kleinlitauens, nämlich das Königsberger Gebiet, wird seit 1946 von Russland verwaltet. Die Umgebung von Goldap ist zusammen mit dem südlichen Teil Ostpreußens 1945 an Polen gefallen.

Die Litauer und andere Völker Ostpreußens



DANIEL KLEIN (1609-1666)
Grammatica Litvanica, mandato et autoritate serenissimi electoris Brandenburgici adornata, et praevia censura primum in lucem edita a M. Daniele Klein, Pastore Tils. Litv. ..., Regiomonti, 1653
Grammatica Litvanica von Daniel Klein ist die erste Grammatik der litauischen Sprache
Aus der Widmung an Friedrich Wilhelm in der "Grammatica Litvanica" (Königsberg, 1653)

        Der HEILIGSTE UND MÄCHTIGSTE KURFÜRST, deinem ruhmreichsten Reich, zusammen mit vielen anderen Ländern, das preußische Land gehört, in dem die Menschen hauptsächlich drei Sprachen sprechen, die da wären Deutsch, Polnisch und Litauisch, entsprechend der Aufteilung der Bevölkerung in drei Volksstämme. Diese drei Sprachen werden in weitem Maße in Preußen benutzt, so als ob dieses Land in einen deutschen, einen polnischen und einen litauischen Distrikt aufgeteilt wäre. Ich würde sagen, dass die Deutschen die westlichen, die Polen die zentralen und die Litauer die nördlichen und zum Teil östlichen Bewohner sind.
       Die heiligsten Herrscher aller Zeiten waren sehr besorgt bezüglich der Benutzung der Sprachen, insbesondere der Polnischen und Litauischen, die als weniger ausgearbeitet galten. Sie wollten, dass jeder Bewohner der Heiligen Predigt in seiner eigenen Sprache folgen könne und private und öffentliche Ankündigungen verstehe. Zu diesem Zweck, nachdem der erste Preußische Fürst des großen Ruhmes GÖTTLICHER ALBERT die Königsberger Akademie gegründet hat, gründete der vornehmste und in ewig im Gedächtnis bleibende Herzog, Herr der Herrn, GEORG FRIEDRICH noch drei weitere Provinzschulen: in Saalfeld für die Deutschen, in Lötzen für die Polen und in Tilsit unsere Schule - für die Litauer. Hier wurden nicht nur Religion und Geisteswissenschaften gelehrt, wie in den anderen Schulen, sondern neben Latein wurden auch rechtmäßig die Sarmatischen Sprachen unterrichtet, d.h. Polnisch und Litauisch. Aus diesen Schulen kommen, wie aus einem trojanischen Pferd, diejenigen Menschen, die irgendwann die polnischen und litauischen Kirchen sehr erfolgreich leiten werden.





Immanuel Kant
Kants Vorfahren waren kurischer Abstammung aus Heydekrug in Kleinlitauen (Heute Silute in Litauen). Sehe Bibliographie zu Kants Familie.
IMMANUEL KANT (1724-1804)
Nachschrift eines Freundes.

       Daß der preußische Littauer es sehr verdiene, in der Eigenthümlichkeit seines Characters, und, da die Sprache ein vorzügliches Leitmittel zur Bildung und Erhaltung desselben ist, auch in der Reinigkeit der letzteren, sowohl im Schul- als Canzelunterricht, erhalten zu werden, ist aus obiger Beschreibung [in Mielkes deutsch-litauischem Wörterbuch] desselben zu ersehen. Ich füge zu diesem noch hinzu: daß er von Kriecherey weiter, als die ihm benachbarten Völker, entfernt, gewohnt ist mit seinen Obern im Tone der Gleichheit und vertraulichen Offenherzigkeit zu sprechen; welches diese auch nicht übel nehmen oder das Händedrücken spröde verweigern, weil sie ihn dabei zu allem Billigen willig finden. Ein von allem Hochmuth, oder einer gewissen benachbarten Nation, wenn jemand unter ihnen vornehmer ist, ganz unterschiedener Stolz, oder vielmehr Gefühl seines Werths, welches Muth andeutet und zugleich für seine Treue die Gewähr leistet.
       Aber auch abgesehen von dem Nutzen, den der Staat aus dem Beystande eines Volks von solchem Character ziehen kann: so ist auch der Vortheil, den die Wissenschaften, vornehmlich die alte Geschichte der Völkerwanderungen, aus der noch unvermengten Sprache eines uralten, jetzt in einem engen Bezirk eingeschränkten und gleichsam isolierten Völkerstammes, ziehen können, nicht für gering zu halten und darum ihre Eigenthumlichkeit aufzubewahren, an sich schon von großem Werth. Büsching beklagte daher sehr den frühen Tod des gelehrten Professors Thunmann in Halle, der auf diese Nachforschungen mit etwas zu großer Anstrengung seine Kräfte verwandt hatte. - Ueberhaupt, wenn auch nicht an jeder Sprache eine eben so große Ausbeute zu erwarten wäre, so ist es doch zur Bildung eines jeden Völkleins in einem Lande, z. B. im preußischen Polen, von Wichtigkeit, es im Schul- und Canzelunterricht nach dem Muster der reinesten (polnischen) Sprache, sollte diese auch nur ausserhalb Landes geredet werden, zu unterweisen und diese nach und nach gangbar zu machen; weil dadurch die Sprache der Eigenthümlichkeit des Volks angemessener und hiemit der Begriff desselben aufgeklärter wird.

       I. Kant.

       (Littauisch-deutsches und Deutsch-littauisches Wörter-Buch, worinn das vom Pfarrer Ruhig zu Walterkehmen ehemals heraus gegebene zwar zum Grunde gelegt, aber mit sehr vielen Wörtern, Redens-Arten und Sprüchwörtern zur Hälfte vermehret und verbessert worden / von Christian Gottlieb Mielcke, Cantor in Pillckallen. Nebst einer Vorrede des Verfaßers, des Herrn Prediger Jenisch in Berlin, und des Hrn. Krieges- und Domainen-Raths Heilsberg, auch einer Nachschrift des Herrn Professor Kant. - Königsberg: Im Druck und Verlag der Hartungschen Hofbuchdruckery, 1800.)




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Aktualisiert: 2003-09-30
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