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Vytenis Almonaitis




Die ersten Erwähnungen des Ortsnamens Pogegen in den schriftlichen Quellen

Zusammenfassung

Pogegen (lit. Pagėgiai) ist eine der ältesten und bedeutendsten Siedlungen im historischen Gebiet Schalauen (lit. Skalva). In dieser Arbeit wird ein Versuch unternommen, die erste Erwähnung dieses Ortsnamens in den bekannten schriftlichen Quellen festzustellen. Bis jetzt wurden in der wissenschaftlichen und in der populären Literatur zwei Daten angegeben: 1281 und 1307. Auf das letzte Datum als das wahrscheinliche haben die Forscher P. Karge, H. und G. Mortensen, A. Salys, J. Jakštas hingewiesen. Das Datum von 1281 wurde im Zusammenhang mit der Erwähnung in den Enzyklopädienen, die im sowjetischen Litauen in den Jahren 1968, 1981, 1987 und 1989 herausgegeben wurden, verbreitet.

In den Texten, in denen man sich an das Gründungsdatum 1281 von Pogegen hält, gibt es keinen konkreten Hinweis auf historische Quellen. Dabei findet man weder in der Akte, die 1281 dem Schalven Jandele ausgestellt wurde, noch in der Chronik von Peter von Dusburg wie auch in den anderen bekannten Quellen aus dem Ende des XIII. Jahrhunderts eine Erwähnung über Pogegen (oder über einen ähnlichen Ortsnamen). Somit kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass in den sowjetischen Enzyklopädien das Datum 1281 fehlerhaft aufgezeigt wurde.

Die Akte für den Edelmann Jandele aus dem Jahr 1281. Das Original (Abschrift aus dem Jahr 1393): GStA PK. XX. HA. OF 112. S. 20v

Vermutlich ist das falsche Datum 1281 aus der Historiographie übernommen, und zwar aus dem Buch „Tautiniai santykiai Maž. Lietuvoje“ („Die Nationalitätenverhältnisse in Klein-Litauen“), das 1935 von Vincas Vileišis herausgegeben wurde und in dem ein Korrekturfehler unterlaufen ist: Es ist dort falsch aufgezeigt, dass die Akten für die Edelleute von Schalauen, in denen Pogegen und andere Ortschaften von Schalauen erwähnt sind, im Zeitraum vom 1281 bis 1283 ausgestellt wurden (richtig ist der Zeitraum von 1281 bis 1383).

Die Akte für die Edelleute Beitam und Spuduh aus dem Jahr 1307. Das Original (Abschrift aus dem Jahr 1393): GStA PK. XX. HA. OF 112. S. 18

In der Verleihung von Grund und Boden samt den Privilegien für die Edelleute Beitam und Spuduh von Schalauen aus dem Jahr 1307 wie auch in der entsprechenden Akte für den Edelmann Tele aus dem Jahr 1349 ist die Ortschaft veld Gigen (Gygen) erwähnt, die sich am Fluss der Jäge (anders Gäge; lit. Gėgė) befindet und litauisch Gėgės laukas oder einfach Gegė genannt wird.

Die Akte für den Edelmann Tele aus dem Jahr 1349.  Das Original (Abschrift aus dem Jahr 1393): GStA PK. XX. HA. OF 112. S. 19v - 20v

Es sind nur zwei Siedlungen bekannt, deren Benennungen vom Flussnamen Jäge (Gäge) entsprungen sind: Pogegen und Jägenberg (lit. Gėgininkai). Die beiden befinden sich nebeneinander und konnten sich auf dem Territorium einer alten Siedlung namens veld Gigen formen.

Die Gegend Pogegen auf der Karte aus dem Jahr 1938 (Klicken zu vergrößern)

Die Wahrscheinlichkeit der Übereinstimmung von veld Gigen mit dem heutigen Pogegen verstärken unter den bereits erwähnten auch folgende Argumente: a) Im Unter- und Mittelflussgebiet von der Jäge (Gäge) existierten im XIV. Jh. auch andere Siedlungen, die grosse Flächen einnahmen; b) Der Ortsname Gigen felt ist wiederholt in der Akte vom 1470 erwähnt, in der es wahrscheinlich die Rede von der Gegend Plauschwarren (lit. Plaušvariai) ist; c) Am Fuss des Burgberges Baubein (lit. Būbliškė) neben Pogegen war eine Siedlung, die vielleicht auch am Anfang des XIV. Jahrhunderts existierte; d) In Pogegen gab es ein Gräberfeld, das zwischen dem X. und XIII. Jh. datiert ist; e) Auf Grund der Quellen vom XIV. – XVIII. Jh. kann man insgesamt den ganzen Weg der Veränderung des Ortsnamens veld Gigen zum Namen Pogegen (lit. Pagėgiai) rekonstruieren.

Es gibt beinahe keinen Zweifel, dass das heutige Pogegen mit der Ortschaft veld Gigen identifiziert werden kann. Es ist folglich als richtig anzunehmen, dass die Stadt Pogegen das erste Mal im Jahr 1307 in den bekannten Quellen erwähnt worden ist.

  
 
 
 
 
Quelle:

Darbai ir dienos, Kaunas: Vytauto Didžiojo universitetas, 2005, [Bd.] 44: Senoji Lietuva. Viduramžiai. Renesansas. Barokas, S. 223.

 

 

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