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Bronė Elertienė




Die Einwohner der Stadt Memel und ihre Lebensweise in der 1. Hälfte des 19. Jh. (1816–1848)

Zusammenfassung

In diesem Beitrag wird die Lebensweise der Einwohner der Stadt Memel nach der Einführung der ersten kapitalistischen Reformen 1807–1814 betrachtet. Diese Reformen haben auch die Verwaltung der Stadt betroffen. Memel, das früher zur Litauischen Provinz mit dem Zentrum Gumbinnen gehört hatte, wurde 1816 an die neu gebildete Provinz Ostpreußen mit dem Zentrum Königsberg angeschlossen. Memel war eine kleinere Stadt, von dem Fluß Dange in zwei Stadtbezirke – die Altstadt und die Neustadt – geteilt. In Norden reichte die Stadt bis an das Kämmerdorf Sandwehr in Nordosten grenzte sie an teilweise bestellte Felder, Weiden, Sümpfe, in Süden und Südosten endete die Stadt am Wall der ehemaligen Befestigung, hinter dem das wachsende Dorf Schmelz lag, in Weste umspülte das Kurische Haff die Stadt. Die Zahl der Straßen und Gassen reichte bis 52. Die größten Straßen waren bereits gepflastert.

Ende 1817 wurde die erste, noch nicht ganz vollkommene Einwohnerzählung Preußens durchgeführt. Was die Nationalität anbelangt, waren die meisten Einwohner in der Stadt Deutschen und auf dem Land – Litauer. In Memel wohnte auch eine geringe Anzahl von Juden, Engländer, Schotten, Holländern, Französen u. a. – hauptsächlich waren das Kaufleute und Handwerker. Es hatten sich evangelische, katholische, baptistische, menonitische, judäische Glaubensgemeinschaften gebildet. In sozialer Hinsicht war die Gesellschaft in drei Hauptstände eingeteilt, deren Kriterium nicht mehr die Herkunft, sondern das Kapital war: der höhere, der mittlere und der niedrige Stand.

1842 gab es in Memel 853 Wohnhäuser, meistens eingeschössig. Jedes Haus sowie jede Wohnung hatte zwei Eingänge – den Haupt und den Wirtschaftseingang. Um Brände zu vermeiden, wurden große Schornsteine gebaut, darin befanden sich Räucherkammern. Nicht nur in Gaststätten, sondern auch in den Küchen von Wohnhäusern befanden sich große, offene Herde.

Dei Städter wurden von nur wenigen Medizinern behandelt. Anfang des 19. Jh. gab es außer dem Militärhospital noch zwei Krankenhäuser: das 1809 gegründete Stadtkrankenhaus, das seit 1833 eins spezielles Gebäude hatte, und das 1827 gegründete Kreiskrankenhaus.

Was das Bildungswesen anbelangt, ist zu betonen, daß die Zahl der Schulen seit Anfang des 19. Jh. ständig zunahm. 1829 wurde eine Seefahrschule eröffnet, die Steuermänner, Seeleute ausbildete.

Das Kulturleben der Stadt war nicht besonders reges, doch gastierende professionelle Musiker fanden hier ein dankbares, gute Musik verstehendes Publikum. 1805 wurde ein Theater eröffnet, in dem nach der Reorganisierung 1820 nicht nur dramatische, sondern auch Musikwerke – Opern, Operetten – aufgeführt wurden.

Bis 1843 arbeiten in Memel 3 Marktplätze. Fleisch wurde auch bei den Schlächtern gekauft, besonders, um Schiffe mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Schlächter kauften viel Vieh in den entferntesten Gegenden an, ein Teil vom Schlachtvieh wurde an die Stadtbewohner verkauft. Große Mengen Fleisch wurden gewöhnlich gekauft, das Fleisch wurde geräuchert oder eingesalzen. Auf dem Markt auch Fische verschiedener Arten wurden angeboten; hier kaufte man auch Gemüse ein. Das Brot wurde meistens zu Hause gebacken. Gern wurde schwacher Kaffee und starker Tee getrunken.

 
 
 
 
 
Quelle:

Vakarų baltų istorija ir kultūra: straipsnių rinkinys, Klaipėda, 1992, [Bd.] 1, S. 131–132.

 

 

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