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Leonas Gineitis




Die Umwelt von Kristijonas Donelaitis

Zusammenfassung

Die Geschichte des Ostpreußens zu der Lebenszeit von Kristijonas Donelaitis (1714–1780) war durch die raschen Entwicklungen oder sogar Umwandlungen im gesellschaftlichen und kulturellen Leben des Landes gekennzeichnet. Diese haben einen wesentlichen Einfluß auf die Weltanschauung, sowie auf den Charakter und Themen des Schaffens vom litauischen Poeten ausgeübt. Die Voraussetzungen für die historischen Änderungen hatten ihre Wurzel in der Vergangenheit.

Das Schicksal des Landes wurde durch den Bund des Brandenburgischen und Preußischen Fürstentümer bestimmt. Dieser Bund übernahm den Namen des letzteren. Der Große Kurfürst war voller Viedersprüche ein und wetteiferte mit Paris in Bau der klassizistischen Paläste, in Repräsentanz, in Anstrebungen des Königreiches und dessen Realisierung (1701) und auch in unermeßlichem Prunk („der Prunkkönig“). In den Streitigkeiten mit dem noch bestehenden Kreuzritterorden und mit dem Papst wegen der Rechte auf das preußische Fürstentum strebte die junge Monarchie nach einer Unterstützung durch Preußen und Litauer. Diese politische Ideologie erweckte das Landespatriotismus der Intelligenz, was in der pro-preußischen Geschichtsschreibung und in dem reichen Aufschwung des geistlichen und des philologischen Schrifttums zum Ausdruck kam.

Die Kehrseite der Medaille war durch das Streben des Preußens die Führung in Europa zu übernehmen bestimmt. Die Einwohner erlitten eine hohe Gebühr- und Steuerlast. Die Gegensätze zwischen dem Berliner Zentralismus und dem Königsberger Separatismus wurden immer größer. Die Nachgiebigkeit der Zentralmacht gegenüber der Festung des Preußentums erweckte die Selbstherrschaft und Korruption in der Provinz. Nach den Naturkatastrophen verbreitete sich in Ostpreußen noch Pest. Dem zufolge gab es große Menschen-, Wirtschaftsund Kulturverluste. Nach dem Niedergang des Landes wurden auch die Einwohner psychologisch niedergeschlagen. In den barocken Hyperbeln der Dichtung „Metai“ („Das Jahr“) von K. Donelaitis entdeckt man die Verbindung des geschichtlichen Gedächtnisses mit den Phantasieelementen. Die spärliche Widerspiegelung der historischen Kataklysmen im Poem läßt sich durch die Unberührtheit des königlichen Ansehens und die philosophische Unerklärbarkeit des Problems der Naturkatastrophen erklären.

Man versuchte den Niedergang und die physische Verödung im Ostpreußen durch verschärfte Kolonisation auszugleichen. Die Kolonisation des Landes hat noch zu den Ordenzeiten begonnen. Diese Tatsache diente für spätere Geschichtsforscher als Begründung, daß die dortigen Litauer keine Autochthonen waren (obwohl die Tatsachen der Toponomastik solche Behauptungen verwerfen). Man hoffte den Staatshaushalt durch die Einkommen von den Bauernhöfen, die auf den Lichtungen der königlichen Wälder gegründet wurden, zu bereichern. Der Großvater von K. Donelaitis war einer von solchen Neusiedlern. Die Bilder von „Franzosen“ und „Schweistern“ in „Metai“ konnten als Widerhall der Beziehungen des Poeten mit den Umsiedlern aus den südwestlichen Ländern Deutschlands gedeutet werden. Der zahlreiche Strom der polnischen Bevölkerung, welcher sich im Lande verteilte, ist durch Polonismen in der Lexika des Poems zu erkennen.

Einen Wendepunkt in der Führung des Staates hat Nachfolger des Großen Kurfürsten, genannt „Soldatenkönig“, eingeleitet. Er hat zur ungehörten Sparsamkeit auf allen Bereichen, außer der Armee, gefordert. Glanz der Armeebesatzung zu Königsberg erweckte die Phantasie des Schuljungen K. Donelaitis. Die Mittel zur Unterhaltung solch eindrucksvoller Armee hatte man durch Verpachten der königlichen Landsgüter (Domänen) an die Amtmänner gewonnen. Im ganzen Lande (auch im Tolminkiemis-Pfarrei) nahm die Zahl derartigen Landsgüter zu, indem die Dorfgüter integriert wurden. Eine massenhafte Kolonisation wurde weiterhin fortgesetzt und bewirkte ganz stark die demographische Struktur der Heimat- und Wohngebiete von K. Donelaitis. Auch die durch Reformationsbewegungen verfolgten Salzburger fanden ihren Zuflucht in Kleinlitauen (in „Metai“ wirken sie als „Salzburger“). In die größere Wohnsiedlungen, welche Stadtbezeichnung tragen durften, zogen die deutschen Bürger ein. Vom Nachfolger des „Soldatenkönigs“, genannt „aufgeklärter Monarch“, wurde die planmäßige Kolonisation durch verlangsamte chaotische Immigration ersetzt. Der Volksgemisch in Ostpreußen wurde zum Assimilationskessel. Die Lebensweise hat sich promt geändert; die ethnische Authentizität vermischte sich und verstarb. Die Intelligenz stand vor dem Entscheidungstreffen. Diese Tatsache wurde zum wichtigsten Einwirkungsfaktor bei der Bestimmung des Schöpfencharakters von K. Donelaitis.

Die getroffene Entscheidung konnte man durch die Stellungnahme zur Muttersprache, welche zum Garant der Volksidentität war, erkennen. Die lateinische Sprache herrschte auf dem Bildungsbereich der staatlichen Zentren sowohl in Deutschland, als auch in Preußen. Auf dem kulturellen Gebiet war doch das Französische vorrangig. Die vertriebene deutsche Sprache teilte sich noch in drei Dialekte und war durch den galischen Einfluß nahe zum Ersticken. Das Formieren der eigenen Nation und Einbetten der Nationalsprache wurde zur Hauptaufgabe der deutschen Intelligenz. Dies widerstand den Aspirationen und dem Nationalbewußtsein der litauisch gesinnten Intelligenz des Ostpreußens. Es gab positive Bedingungen für Aufblühen der Kultur und Literatur der dortigen Litauer – die muttersprachliche Einstellung der protestantischen Evangelisation; die Notwendigkeit der juristischen Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung; die Geschlossenheit der feudalen Dorfgemeinden und die vorübergehende preußische politische Orientierung. Doch die negativen Bedingungen, wie die Bindungen der weltlicher und kirchlicher Mächte, überwiegende Tendenzen zur politischen Integration, die psychologische Gegeneinstellung der Monarchie, die Volksbefangenheit im Laufe der Kolonisation, mangelhaftes Wissen der litauischen Sprache bei den pietistischen Geistigen aus Halle, Betrachtung der deutschen Sprache als Hauptelementes des einheitlichen Schulwesens, die Kontakte der Schüler in den gemischten Schulen, Militärdienst, wörtliche Übersetzungen der juristischen Texte und die zweisprachigen religiösen Bücher – waren stärker und vorherrschend. Dieses Vorwiegen wurde von den älteren deutschen Kulturforschern akzeptiert, doch von den jüngern wurde es verworfen.

Die Zeit forderte von den Deutschen um die Aufbewahrung ihrer Muttersprache zur Sicherung der Nationaleinheit. Die Muttersprache für Litauer war die Grundlage ihrer Existenz. Die Schnittstelle beider Anstrebungen widerspiegelt die historische Tragik. Die Stellungsnahme von K. Donelaitis in dieser Kolision ließ die Forscher seines Schaffens, die unhistorischen Deutungen nicht vermeiden. Das Bewußtsein des Poeten wurde nicht durch historisch-philosophischen, sondern chronikartigen Historismus bestimmt. Die Vergangenheit des Landes und es getroffene Schicksal war eine noch offene Wunde, welche man nicht aufreißen möchte. In den Notizen und in den Werken von K. Donelaitis fehlt es nicht an chronikartig gedeuteten Tatsachen der Geschichte. Der Poet besitzt einen volkstümlichen Selbstbewahrungsinstinkt, welcher auch viele andere Vertreter des litauischen Schrifttums in Ostpreußen durch die Gebüsche der Geschichte geführt hatte. K. Donelaitis hat seinerzeit die führende Rolle der Muttersprache durch sein unvergängliches Schaffen bestätigt.

Die Volksmischung in Ostpreußen wurde von mehreren Glaubensrichtungen begleitet. Die Tendenzen des Synkretismus, oder Verschmelzung von mehreren Religionen, kamen deutlich zum Ausdruck. Die Neigung der Pastoren zum Weltlichen (l’homme galante), zum Materiellen und ihre Nachlässigkeit bei der Erfüllung der Konfessionspflichten bewegte die Erweckungsbewegung – Pietismus, welcher durch eigenen Asketismus die Folklore und das Ethnikum ungünstig bewirkte. Es verbreitete sich in dieser Bewegung auch die soziale Richtung, unterstützt von der monarchischen Macht. Über die Stadt Halle erreichte Pietismus auch Königsberg. Es zeichneten sich deutlich die Lager der Anhänger der neuen Richtung und der Orthodoxie. Zwischen beiden verliefen heftige Streitigkeiten zu den theologischen Fragen und Wetteifern um die Eiwirkungsgebiete. Das Seminar der litauischen Sprache an der Königsberber Universität wurde zum Tatort dieses Streites. Die pietistischen Geistlichen drangen in die Kollegien ein und stifteten die Schulen für die Armen. In der Provinz war der individueller, oder „weinender“ Pietismus stärker, welcher von den sentimentalen Salzburger Kolonisten unterstützt wurde.

Dank den Studien in Königsberg haben sich auch die pietistischen Charaktereigenschaften von K. Donelaitis herauskristallisiert, wie die Seßhaftigkeit, die häusliche Arbeitsamkeit, großes Pflichtbewußtsein, Ehrfurcht vor gesellschaftlichen Bautätigkeiten und die Neigung zu Wohltaten. Er wurde gleichzeitig der Vielfalt von Weltanschauungen ausgesetzt. Der geistige Widerspruch zwischen den erhobenen pietistischen Ideen und ihren Erprobungen in der Lebensrealität wurde immer größer.

Neben dem Pietismus und der Orthodoxie zeichnete sich doch die dritte Quelle des geistigen Synkretismus. Das waren die philosophischen Aufklärungsideen. Ihrer Verbreitung haben die polnischen Sozianer und die deutschen Masonen mitgeholfen. Weiterhin entwickelten sich diese Ideen zum Deismus und Pantheismus. Die in Königsberg tätigen Anhänger der Aufklärung – Wolffianisten – haben mit demselben Eifer sowohl das Negative vom Pietismus als auch von der Orthodoxie kritisiert. Bei der Intelligenz verstarben die Ideen des Pietismus. Nur auf dem Dorfe haben sie Fuß gefaßt. Die Geistlichen auf dem Lande haben ganz verschieden die pietistischen weltlichen Sprecher und dessen private Pastoration betrachtet.

In dem Kampf beider Lager vermeidete K. Donelaitis sowohl den Ideenstreit als auch die praktischen Einseitigkeiten. Die Werke von K. Donelaitis lassen uns ihn zu den Synkretisten zählen. Das wird durch folgende Tatsachen in seinen Werken bewiesen: bescheidene Aspirationen auf die Bibel und andere Glaubensthemen, mangelndes pietistisches Christozentrismus, für die Aufklärung typische Betrachtung des Todes, wobei dieser nicht hervorgehoben wird, Vorrang der sozialen Themen, die Elemente des Deismus und Pantheismus in den Naturbetrachtungen und Verwendung der ontologischen Kasuistik in der psychologischen Charakteristiken der Helden. Die kulturelle Umgebung von K. Donelaitis bestätigt die Annahme, daß die Ideen der natürlichen Gleichberechtigung von Menschen im Werk „Metai“ nicht direkt von Rousseau-Lehre abzuleiten sind; sie sind als generelles Merkmal jener Zeiten zu betrachten. Die widersprüchlichen Meinungen über die Weltanschauung des Poeten bestätigen seinen synkretistischen Charakter, was als Zeichen der Neuerungen in damaliger Umgebung war. Mißlungen sind die Versuche die Position des Dichters durch einige Aussagen seiner Helden zu beschreiben, weil der Dichter alle seine Helden umfaßt und über ihnen steht.

Die Aufklärungsideen kamen durch die Bemühungen das Bildungswesen auf allen Ebenen neu zu gestalten zum Ausdruck. Eine besondere Aufmerksamkeit galt der Volksbildung. Die Volksbildung in Ostpreußen atmete kaum. Einige Versuche es zu bewegen blieben wegen der Glaubens-, Nationalitäts- oder finanziellen Widersprüche erfolglos. Verspätet und in Eile wurden bescheidene Grundschulen gebaut. Mangel an Lehrern wurde von den zufälligen Lesen- oder Schreibfähigen aufgefüllt. Man versuchte die Grundlehre total religiös zu organisieren. Die Pastoren müßten die Pfarreischulen ständig besuchen und die Lehrer unterweisen. Diese Pflichten mußte auch K. Donelaitis als Pfarrer erfüllen. K. Donelaitis selbst hatte an der Königsberger Grundschule von Kneiphof für Armen und nachfolgend auf demselben Kollegium gelernt. Dort herrschte strenge pietistische Ordnung und Arbeitserziehung. Die kulturelle Tradition des Kollegiums förderte den Schöpfergeist. Das Lernen war in Latein. Die materielle Lage war sehr schwer.

Nach dem Kollegiumsabitur entsprach K. Donelaitis allen strengen Kriterien, welche dem Entscheidungstreffen bei der Immatrikulation auf der Theologiefakultät dortiger Universität verhalfen. Im Laufe seiner Studienzeit hatte er die gesellschaftliche Unterhaltung im Alumnat. Neben den zahlreichen theologischen Fächern hat er auch die „freien Künste“, besonders Musik, studiert und mit großer Vorliebe die antiken und jüngeren Sprachen erlernt. Er nahm an verschiedensten Praktiken teil. Die Weltanschauungen der studierenden Jugend wurden durch verschiedenste Persönlichkeiten der in Ideenkämpfen beteiligten Professoren, ausgeprägt. Der künftige Poet beteiligte sich erfolgreich in praktischen Seminaren der litauischen Sprache. Bei der Bewertung des damaligen Studienniveaus, muß dessen aristotelare Neigung, was den Zeitforderungen nicht entsprach, fallendes Ansehen wegen der theologischen Diskussionen mit den Studenten und wegen der Bewerbung der Studenten für Armee, Eintönigkeit der Lektionen „vom Schriftstück“, Beschäftigung der Professoren mit den verdienstsichernden Nebentätigkeiten unterzeichnet werden. Es gibt gleichzeitig die Tatsachen, welche diesen Skeptizismus ausgleichen. Als solche sind zu erwähnen: die Entstehung der wissenschaftlichen Vereine; Heranwachsen solcher Persönlichkeiten, wie Emanuel Kant; zahlreiche Beteiligung der vorigen Studenten am litauischen Schrifttum; K. Donelaitis selbst hat mehrere Sprachen erlernt und hatte dadurch die Voraussetzungen für eigene schöpferische Potenz aufgebaut.

Nach den Studien arbeitete der Poet in Stalupenen als Prezentor bei der Kirche und als Lehrer und Rektor im Kollegium und sammelte dabei seine Lebenserfahrungen. Nachdem er zum Pastor ernannt wurde, ließ er seine Wurzel für längere Zeit in Tolminkiemis (Tolminkehmen) und widmete sein Leben für die Volksbildung, was zur helleren Zukunft beitragen sollte.

Eine außerordentliche Rolle haben für den Poeten die damalige literarische Umgebung und die Schule gespielt. Trotz der vorherrschenden religiösen barocken Kultur und Stils auf allen Kunstbereichen kamen auch die weltlichen Tendenzen immer stärker zum Ausdruck. Diese Vielfalt war besonders kennzeichnend für die Musik. Die Naturelemente der musikalischen Kompositionen konnten auch die Idee von „Metai“ im Bewußtsein von K. Donelaitis erwecken. Der Wettkampf der Druckereien zu Königsberg, die Periodika und Formierung der gemeinsamen Front des Pietismus und der Orthodoxie gegen Aufklärung beschleunigten die Entwicklung der Druckschriften. Die barocke Zierlichkeit in der Stilistik wurde durch klassische und typische für die Bibel Schlichtheit ersetzt. Durch die Gesänge bewirkte das besonders stark auch K. Donelaitis. Die schulartige Dichtungspraxis entfaltete sich zu der weltlichen Anlaßpoesie, welcher auch der litauische Poet nicht widerstehen konnte. Auf geistigen Bedarf und Geschmack der mittleren Bevölkerungsschicht der Städte entzweigte sich in der Literatur die sentimentale Anakreonik, welche durch antike Requisiten ausgeschmückt war. Die klassische Schlichtheit wurde besonders in den Fabeln bevorzugt. K. Donelaitis schuf aktiv die Fabeln, welche als Formvertreter der verbotenen Satyrwerke galten. In seinem Werk „Metai“ hat er auch den „niedrigeren Stil“ bevorzugt, welcher für die breiten Kreise verständlich war. Gleichzeitig wurde die komische Schattierung von diesem Stil verworfen. Einfluß der klassischen Schule auf das Schaffen von K. Donelaitis läßt sich durch folgende Merkmale erkennen: der Poet versteht die Moral als Naturgesetzmäßigkeit; er schreibt lange Monologe; die Aussagen haben eine rethore Konstruktion; es werden die hegsameterartigen Strophen verwendet, durch welche K. Donelaitis die übliche Mode der Aleksandrin-Strophen verletzte.

Die Aufmerksamkeit der Schriftsteller in Europa ging über die mittlere Schichten bis zu den niedrigsten Schichten der Dorfleute. Es entstand eine günstige Umgebung für die beschreibende Naturpoesie, welche über 4 Jahreszeiten ging. Die Engländer und Franzosen wurden dementsprechend zum Vorbild für die Deutschen und auch für die Königsberger Literaten. Man hat durch direkte Vergleiche die Originalität von K. Donelaitis „Metai“ bewiesen. Der Grundstein dieser Originalität ist die immanente Position des Schriftstellers, welche durch Verschmelzung der Sprachen des Schriftstellers und der Dorfleute, auch durch Gleichgewicht der Beschreibungsstatik und Widerspiegelungsdynamik zum Ausdruck kommt.

Die beschreibende Naturpoesie bannte die Wege zur Folklore. Die Folklorelemente sind aus der literarischen Umgebung von K. Donelaitis ungezwungen in sein Schaffen übergegangen. Das war ein weiterer Grund zum Unterstreichen des Synkretismus von seinem Schaffen. Daher fällt die Entscheidung, zu welchem literarischen Typ und zu welcher Gattung „Metai“ zuzuordnen sind, besonders schwer. Man darf nicht den Synkretismus des Poems als ein Gemengsei und daher als Unvollständigkeit betrachten. Mit dergleichen Historizität müssen auch die Fragen nach dem Adressaten von K. Donelaitis Werken, nach dessen Position und Wert in der europäischer Literatur beantwortet werden.

Das gesellschaftliche und kulturelle Leben in Ostpreußen wurde durch ortstypische Verwaltungsmerkmale, wie Militarisieren, zentralisierte Verwaltung, strenge und detaillierte Lebensreglung, ausgeprägt. Die Wendung zum Militarisieren wurde durch die Plage der langen Armeepflicht, durch Überflutungen von Invaliden und Kranken, durch Fußfassung des Militärgeistes, durch Konflikte am Anfang des Siebenjährigen Krieges und durch späteres Syndrom der Gehorsamkeit Rußland gegenüber ausgeprägt. Das verursachte, daß Berlin sich gegen Ostpreußen für lange Jahre einstellte. K. Donelaitis nahm die Position eines Pazifisten ein; die Militarisierung hat in seinem Schaffen keine Spuren hinterlassen, außer der Verwendung von Militärtermini im psychologischen oder umgangssprachlichen Sinne. Zusammen mit der Zentralisierung der Verwaltung wurde auch die Rechtsreform durchgeführt, wobei ein System von Schichten und dessen Rechte festgelegt wurde. Eine „überfallende“ Kontrolle wurde eingeführt. Die merkantilen Ziele bezweckten die Einführung neuer landwirtschaftlichen Technologien. Es wurden oft die bedrohenden Verordnungen der Machtorgane verkündigt.

Die Säuberung „vom Oben“ war in der Realität schwer realisierbar. Die Ursachen dafür waren: die negative Einstellung von Königsberg zu der Zentralisierungsstimmung, die Traditionspflege unter den Dorfleuten, die ungünstigen rechtlichen Voraussetzungen für die Einheimischen und die Bestechlichkeit der Beamten vor Ort. Die Benehmensskala der Funktionäre mit den Leibeigenen reichte vom Patriarchalen bis zur Despotie („Faustrecht“). Im Hintergrund der Privilegien für Kolonisten und der „gesellschaftlichen Verträge“ zeichnete sich die Ausbeutung der einheimischen Buren und die Unrentabilität ihrer Zwangsarbeiten in den Gütern. Immer öfter kamen die Feindseligkeiten zum Ausdruck. K. Donelaitis erinnert allegorisch in einigen Fabeln an die Folgen der preußischen Verwaltung. Doch offen und direkt durch Anwendung funktionellen Termini und Schilderung konkreter Konflikte spricht er darüber in seinem Werk „Metai“. Mit großer plastischer Überzeugung wird die Grobheit der Verwaltungsbeziehungen auf dem Lande und die daraus resultierenden moralischen Schäden geschildert. „Metai“ ist keinesfalls „eine Predigt“; es ist eine künstlerische Darstellung der Wirklichkeit.

Die preußische Macht hat, im Anstreben eines Gleichgewichtes zwischen der Bereicherung des Staatshaushaltes und Ausplünderung der Dörfer, die Separationsbewegung in die Wege geleitet. Man hat mit den Neumessungen der Dorf- und der Gutbesitzflächen begonnen. Es wurden dabei die traditionellen geimeinschaftlichen Weiden abgeschaffen. Dies hat neue Flut von Parteilichkeiten und rechtlichen Konflikte aufgebaut. Auch K. Donelaitis verbrachte die letzten 5 Jahre seines Lebens im Streit mit dem dortigen Amtsmann um Grund und Boden der Kirche. Er selbst war theoretisch für die Separation, aber in der Praxis verwickelte er sich in Streit. Es wäre nicht berechtigt K. Donelaitis als „Schwebender über der Realität“ zu bezeichnen, weil seine Lebensart und Tätigkeiten solche Behauptung verwerfen. Der Streit mit dem Amtsmann drückte nur den Widerspruch seines Lebens aus, was auch in seinem Schaffen wiedergegeben wurde.

Noch eine Erscheinung, welche das Weltempfinden des Poeten bewirkte, ist die Umgebung, d.h. die Natur, die Lebensart der Leute und Ethnikum. Während der Studienjahre erweckte seine Weltempfindungen Königsberg mit seiner bedeutenden geographischen Lage, mit historischen Denkmälern, mit den Straßen und Häusern, mit malerischen Parkanlagen und zahlreichen Besuchern, mit Märkten und Messen, mit staatlichen Feiertagen, mit Militärparaden und nicht zuletzt auch mit seinen Bränden. Diese Eindrücke zu seiner Jugend haben einige Spuren im späteren Schaffen des Poeten hinterlassen. K. Donelaitis wurde doch von der Natur auf dem Dorfe umgeben, welche er auf Grund seiner Haushaltspflichten und Freizeitgewohnheiten stets beobachtete. Im Schaffen des Poeten zieht sich ein endloser Strom der genau differenzierten Lebensformen, zusammengelötet durch pantheistisches Empfinden des Ganzen. Die Ausdrucksdynamik der Naturbilder wird gleichzeitig durch die Statik dessen didaktischen Sinne ausgeglichen. Das ist noch ein Beweis für die Synkrise des Schöpfergeistes, welches mit den Evolutionsbewegungen in der damaligen Literatur zu verbinden wäre.

Die ethnographischen Kenntnisse besitzend, kann man schlußfolgern, wie oft und wahrheitsgetreu K. Donelaitis die Elemente des Volksdaseins einsetzte. In „Metai“ hat man diese Elemente mit verschiedensten Zielsetzungen befühlt: für Bild- und Kompositionsziele (Hochzeit); für bildhafte Umgebung (verschiedene Sitten, Verwandtschaftsbindungen, diverse Gegenstände, Essen, Bekleidung); belehrende Gedanken (Überfluß beim Feiern und Armut, Feiern und Folgen der Betrunkenheit). Der Künstler erlaubt es nicht für die Buren, welche die aussterbende Ethnik bereuen, die nationalistischen Tendenzen zu ergreifen.

Das Umgebungsbild von K. Donelaitis wird noch durch damals spezifische Pastoriumslage erweitert. Sie nahm eine Stellung zwischen der Lebensweise im Dorf und im Hof. Der Poet hat immer eine schwere Last der wirtschaftlichen Sorgen getragen, doch er ist nie im Materiellen versunken und hatte immer für sein Schöpfen notwendigen Freiheitsraum aufbewahrt. Nur ein Strauß von verschiedensten Ursachen haben seine Kräfte gelahmt. K. Donelaitis wurde traditionell unter dem Boden seiner Pfarrkirche begraben. Sein Bild ist ein Resultat der zu unserer Zeit durchgeführten archäologischen Rekonstruktion. Sein Schaffen wurde zum Grundstein seiner Unsterblichkeit.

Übersetzt von Jūratė Kibirkštytė
  






Zusammenfassung aus dem Buch:

Gineitis, Leonas. Kristijono Donelaičio aplinka, Vilnius, 1998, S.  151-160.  - (Senoji Lietuvos literatūra; kn. 9).

 

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