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Albertas Juška




Die Bevölkerung des alten Memels

Zusammenfassung

An der Mündung der Dane bei dem Kurischen Haff bauten der Schwertritterorden und der Bischof von Kurland im Jahre 1252 eine Burg. Man nannte diese Burg Mümmelburgk (Memel). So entstand in den alten Zeiten auf baltischem Boden ein Vorposten der fremdländischen Aggression im Kurischen, Szemaitischen, Schalauerischen Land.

Neben der Burg entstand die Stadt, Aber Memel wuchs sehr langsam. Die Entwicklung bremste das Fehlen der Naturalwirtschaft, d. h., die eroberte Umgegend wurde bald zu einem öden Land. Memel wurde auch ständig von Litauern überfallen und in Brand gesetzt. 1447 wohnten in der Stadt an der Burg nur 47 Menschen. Später wuchs die Stadt etwas schneller: 1503 wohnten hier etwa 150, 1553 – 756, 1630 etwa 1000 Einwohner. Die Mehrheit der Bevölkerung bildeten dabei natürlich die Deutschen. Doch um die Stadt entstanden Vororte mit örtlichen Einwohnern. Hier wurde ausschließlich litauisch gesprochen; die litauische Sprache klang auch in der Memeler Litauenkirche (St. Nicolaus), auf dem Markt. Ende des XVII. Jh. wurde das Gesetz aufgehoben, nach dem es den Litauern verboten war, in der Stadt zu wohnen. So waren in jener Zeit von 13 Stadtfamilien, die am Steintor wohnten, 7 Familien Litauer; von 100 Familien an dem Nordtor waren 39 litauisch. Die Mehrheit von der Dienstmädchen, Knechte anderer Hilfsarbeiter in der Alt- und Friedrichstadt waren auch Litauer.

Gegen 1550 wurde in Memel an der Litauer-kirche eine Kirchspielschule für Litauerkinder eröffnet. Sie funktionierte bis Ende des XVIII. Jh. 1879–1881 wurde die litauische Sprache sogar in der lateinischen Hochschule unterrichtet. Aber in der zweiten Hälfte des XIX. Jh. begann in Memel, wie auch in ganz Kleinlitauen die Germanisierung als Folge der Schaffung des zentralisierten Deutschlands. J. Sembritzki schrieb, daß die eingedeutschten Kinder das letzte Gebetbuch bei der Beerdigung in das Grab ihres Vaters legten. So wurde auch alles Litauische beerdigt.

1879 haben 1230 Litauer aus Memel und Umgegenden eine Petition an den Kaiser geschrieben mit der Bitte, die litauische Sprache in den Schulen zu lassen. 1896 waren schon 6228 Unterschriften gesammelt. Dank dieser Aktion wurde im Jahre 1902 in Memel ein Lehrerseminar eröffnet, wo auch die litauische Sprache unterrichtet wurde (1909 geschlossen). Es sei betont, daß von 79 der im Lehrerseminar aufgenommenen Jungen 31 die litauische Sprache beherrschten.

Die Veränderung der Zahl der litauischen Einwohnerzahl in Memel 1837–1925 ist in der Tabelle gezeigt.

Das Jahr
 
Die Bevölkerung Die Anzahl der Litauer
1837   9 034      912 (10,1 %)
1861 17 490      231 (1,3 %)
1890 19 282   1 022 (6,3 %)
1905 20 685   1 332 (6,4 %)
1910 21 470   1 977 (9,2 %)
1921 32 500   7 000 (21,5 %)
1925 35 845 10 835 (30,5)
            (3,160)

In Memel wohnten also neben den Deutschen auch die Litauer. Und im Memelgebiet bildeten sie die Mehrheit.

  
 
 
 
 
Quelle:

Vakarų baltų istorija ir kultūra: straipsnių rinkinys, Klaipėda, 1992, [Bd.] 1, S. 141–143.

 

 

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